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Konzertbesprechungen
Die neusten Reviews findet Ihr hier, später werden sie chronologisch archiviert.

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Clowns (Köln, 10.8.16) - Disaster Jacks (Köln, 10.8.16) - Dollhouse (Köln, 21.7.16) - Dystopian Society (Berlin, 13.8.16) - Gym Tonic (Berlin, 28.7.16) - Mondo Furmatore (Berlin, 24.6.16) - Negot (Berlin, 13.8.16) - The No Fits (Berlin, 13.8.16) - The Oblivians (Berlin, 24.7.16) - Radio Birdman (Berlin, 6.7.16) - Sir Robin & The Longbowmen (Berlin, 1.8.16) - Snoffeltoffs (Berlin, 1.8.16)

Sa. 13.08.16 The No FitsNegot, Dystopian Society, The No Fits - Berlin, XB Liebig (ca. 50 Zuschauer)
Negot sind eine recht langweilig anzusehende Band mittel-fortgeschrittenen Alters aus Bergamo mit düsterem New Wave und anarchistischer Haltung, wenn ich das richtig aufgeschnappt habe. Musikalisch fand ich sie nahezu völlig uninteressant. Vielleicht hätte ich doch eins der Blätter auffangen sollen, die sie ins Publikum warfen und auf denen offensichtlich Songtexte standen.
Dystopian Society davor gefielen mir wesentlich besser. Sie hatten die deutlich besseren und direkteren Songs. Kantiger New Wave ohne Keyboards mit einer starken Frühachtziger Punk-Attitüde. Sie brauchten etwas um in Schwung zu kommen, brachten dann aber schon alles, was Negot nicht besser machen konnte. Optisch und musikalisch.
Eröffnet wurde der Abend von zwei Dritteln der No Fits mit garagigem Riff Punk, mit gerufenem aber nicht geschrieenem Gesang (tja, was soll das denn jetzt heissen?) und wechselnden aber wirklich interessanten Drums, leider noch etwas unbedarft. Ich meine, Ihr wisst, dass es gerne rumpeln darf für mich, auch mal gehörig. Die No Fits rumpelten noch deutlich zu viel. Aber wenn das besser wird, dann Habacht!!
Eigentlich ein unterhaltsamer Abend, klanglich war das aber, leider wohl den Möglichkeiten vor Ort geschuldet, ziemlich anstrengend. Man konnte die Gesangslinien oft nur erahnen.
(Ralf, 14.8.16)
Mi. 10.08.16 ClownsClowns, Disaster Jacks - Köln, Sonic Ballroom (ca. 90 Zuschauer)
Tritt Hardcore Punk auf der Stelle? Die Clowns auf jeden Fall. Mal etwas mehr, mal etwas weniger Metal, ansonsten das gleiche Gehabe und Gespiele wie seit 1985, dazu auch qualitativ weder besser noch schlechter. Warum die aus Australien hierher kommen müssen um dasselbe zu machen wie tausende europäische Bands, erschliesst sich mir nicht.
Davor Disaster Jacks aus Spanien. Zwei Frauen und ein Basser. Auch Punk, aber nicht ganz so klassischer HC, vorallem minus Metal und minus Mosh. Eigentlich alles soweit nicht schlecht, aber der Sound war ein einziges Gedröhne. Noch nie ne Band mit so schlechtem Sound im Ballroom gesehen.
Aber: Der Laden war sehr gut gefüllt. Den Leuten gefiel's.
(Ralf, 14.8.16)
Mo. 01.08.16 Sir Robin & The LongbowmenSir Robin & The Longbowmen, Snoffeltoffs - Berlin, Schokoladen (ca. 50 Zuschauer)
Snoffeltoffs ist halbjugendlicher Schrabbel-Indie-Pop mit Feel-OK-Faktor, dennoch nicht ohne angenehme Snottiness. Sympathische lockere Typen aus Berlin, gesanglich vielleicht nicht ganz so stark, aber ich bin auf ihrer Seite.
Sir Robin aus Dresden sind schon etwas älter und spielen eigentlich ganz interessanten Psychedelic-Rock, irgendwo zwischen Haight-Ashbury und Krautrock, mit Sitar, spaciger Orgel, ausgedehnter Spiellänge, die sich aber glücklicherweise in spannungsvollem Aufbau und nicht in ellenlanger Solodudelei niederschlägt. Es hat lange gedauert, aber heutzutage wissen die meisten Kids wie man mit Solos umgeht. Ein positiver Effekt des Punkrock goes Stadionrock. Wir wollen Musik hören und Gefühle damit verbinden. Handwerkliche Kunst kann man auch in den Dienst des Songs stellen. Leider auch bei den Longbowmen der Gesang eher die Schwäche. Sonst alles gut. Ich mag auch die Longbowmen. Die Leute haben getanzt.
(Ralf, 7.8.16)
Do. 28.07.16 Gym Tonic - Berlin, Urban Spree (ca. 100 wechselnde Zuschauer, rein raus rein raus rein raus)
"Ich weiss schon, warum ich hier niemals her komme." meinte mein Begleiter Björn. Das Urban Spree liegt im Partyviertel für unternehmungslustige Touris, nicht die völlig prollige Schiene, aber n bisschen schon. Draussen ist ein grosser Biergarten, es ist nicht uncool, ein Artistspot mit Galerie, Laden und Pipapo, aber dass da heute noch kurz ne Band im Keller spielt, wurde zwar als interessant empfunden, aber ich habe einige Leute rücksichtslos reindrängeln, Foto machen und wieder abhauen gesehen. Mehr als die Hälfte war ein Mitläuferpublikum. Jede andere Band hätte denen auch gefallen. Party on.
Dementsprechend war es für die Band dann aber doch ok, denke ich. Immerhin war der kleine abgefuckte Kellerraum vollgequetscht bis unter die Rohre und alle "hotteten ab" zu dem Synthie-NewWave-Punk der Gym Tonic, ein Mann mit Synthie, eigentlich auch das einzige, das richtig zu hören war. Wären wir nicht schon beim Soundcheck kurz unten gewesen, hätte ich nur ahnen können, wie die anderen Instrumente klingen, nämlich Gitarre, Bass und Drums, die allesamt von Mädchen bedient werden.
Gym Tonic sind neu, haben erst ein paar Auftritte hinter sich, schlagen aber schon richtig durch und befinden sich mit ihrem VerschwendeDeineJugend-Sound, mal in Englisch, mal in Deutsch gesungen, ganz im Trend. Auch mir gefällt das gut. Es rumpelt ein wenig, die Songs sind aber eingängig und mitnehmend. Keine grosse Kunst aber unterhaltsam und gut. Gerne wieder. Aber diesmal woanders, damit man nur Leute da hat, die sich wenigstens interessieren und nicht allen anderen auf die Nerven gehen.
(Ralf, 7.8.16)
So. 24.07.16 The Oblivians - Berlin, Lido (ca. 150 Zuschauer)
Oblivians, meine alte Liebe. Ich kann trotzdem noch an einer Hand abzählen wie oft ich sie gesehen habe. Das erste Mal zu meinem 30sten Geburtstag im Stuttgarter Degerloch-Jugendhaus. Ich kann mich daran erinnern, dass mich mein Freund Pitschi dauernd quer durch den ganzen Raum warf, obwohl es gar keinen Platz gab. Die Oblivians waren von oben bis unten vollgerotzt und gebierduscht, bedankten sich am Ende aber fröhlich über soviel Enthusiasmus. Der gipfelte dann darin, dass das Publikum die Band nicht von der Bühne liess. Und zwar nicht mit Zugabenrufen sondern mit körperlicher Gewalt. Im Gewölbekeller des Degerlochs gibt es keinen Backstage über den man sich verdrücken kann. Der einzige Weg führte durchs Publikum und das war eine Wand.
Am Ende fand Jack irgendwo hinten ein Fenster, so gross wie ein Klofenster. Keine Ahnung, wo das im Keller wohl hinführte, aber er klemmte sich durch und war weg. Damit fand eins der sensationellsten Konzerte meines Lebens ein Ende.
Ihr roher Sound, zwei Gitarren und ein Schlagzeug, extremst verzerrt, viel Kellerhall und wütende Vocals, davor aber phantastisch coole Riffs und ein Songwriting, das, anders produziert in den 60er Jahren für Welthits hätte sorgen können, machte die Oblivians zu der Speerspitze einer Schar an Bands, die auch heute noch, mehr als 20 Jahre später, dieser Inspiration huldigen.
Ich sah mehr als einen Hals, der sich streckte, um zu sehen, welche Effektgeräte sie verwenden, hahaha. Antwort: KEINE!!! Hier geht es um die Direktheit und Ehrlichkeit. Ein bodenständiges Songwriting, ein bodenständiger Sound (Plug-In und dann alles auf 10), keine affektierte Show, sondern 3 einfache Menschen, die seit vielen Jahren von ihrer Musik leben und die uns, in allen ihren vielen Bands eine nicht versiegende Produktivität auf höchstem Niveau bieten und damit Scharen von Bands ein Vorbild sind. Leider kann nicht jeder Mensch bescheiden sein. Ein paar Idioten gibt es immer im Publikum. Auch wenn ich zuerst erschrocken war, denn obwohl wir die Vorband verpassten und alles schon am Warten auf die Memphis-Legenden war, konnte ich noch durchzählen. Als das Konzert begann, war es dann doch für sonntags in der Urlaubszeit wenigstens einigermassen standesgemäss, auch wenn dies das einzige Deutschlandkonzert dieser Tour war und da die Oblivians vor 3 Jahren ihre letzte Platte rausbrachten und die vorletzte vor 20 oder sowas, muss man sich ja schon sputen und fragen, ob man sie JE nochmals so zu sehen bekommen wird.
(Ralf, 7.8.16)
Do. 21.07.16 Dollhouse - Köln, Sonic Ballroom (ca. 50 Zuschauer)
Erstmal Entschuldigung an die Vorband, der ich mich verweigert habe, nachdem ich schon beim UmdieEckekommen hörte, dass ich keine Lust drauf haben werde und die Zeit bis Doll House mit Ankommen, Rauchen, Trinken und Quatschen verbrachte.
Dollhouse aus Schweden hatten es dann leider schwer, ihren enormen Vorschusslorbeeren ("beste Liveband auf diesem Planeten" - Nicke Hellacopter) gerecht zu werden.
Mein Gott, es ist heutzutage ein Kreuz, sich mit Musik auseinander zu setzen. Wir haben seit vielen Jahren keine wirkliche Neuerung mehr im Underground Sektor gehabt. Im elektronischen Sektor bin ich nicht firm genug, auch nicht in der Klassik. Ich glaube aber, dass sich dort noch am Ehesten was tut. Die Musik auf den Kopf zu stellen und dennoch zumindest einen gewissen Erfolg zu haben, ist aber eigentlich auch fast unmöglich. Was es dazu braucht, sind auch revolutionäre Köpfe, Charaktere die wir im Moment nicht haben. Daher müssen wir uns durch viel Durchschnitt quälen, sehen kleine Lichter hier und da, freuen uns auch mal über nichts.
Dollhouse, und ich möchte nicht zu schroff urteilen, da die hochsommerlichen Temperaturen an der Energiesubstanz sogen, waren schon etwas mehr als nichts, aber weit davon entfernt, uns zum Mitwippen zu bewegen.
1969 nannte man sowas Heavy Metal. Schwer in Blues- und RocknRoll-Tradition verwurzelter Rock, der niemals Schema F verliess, unendlich viel Raum für Gitarren-Gekniedel hatte, in jedem Song einen ruhigeren Part, in dem man das noch gähnend auszudehnen wusste, ansonsten guter aber für unsere Ohren sehr anstrengender Gesang am oberen Ende von Robert Plant, doch ohne griffige Kompositionen und auch spielerisch manchmal nicht ganz im Sattel. Mir fehlte genau das, was ich eigentlich anhand der MC5- und Stooges-Referenzen erwartetet hatte: Die Anti-Haltung, Ablehnung des Etablierten, das Wüste, Wilde, nenne es Punk.
Das hat Dollhouse nicht. So sie genügend Luft hatten, posten sie angestrengt, animierten 100x zum "I wanna see your hands" oder "und jetzt alle" oder "aaaawright, are you feeling good?" - ihr wisst schon, so wie Rocktypen das immer machen, mit der gekünstelten Metal-Attitüde. Boah, das war echt zum Kotzen.
Im Unterschied zum Foto sahen zumindest zwei der Mitwirkenden mit Bärten und Zoten auch viel metal-lastiger aus, einer, den ich auf dem Foto vermisse, der aber dann wieder ein klassischer Beatnik war, was etwas zerissen, für mich aber nicht wirklich störend wirkte.
Nungut, die Gitarren soundeten eigentlich ziemlich geil. Das zumindest gefiel mir. Dollhouse sind irgendwie schon ok, aber gewiss nicht mehr.
(Ralf, 23.7.16)
Mi. 06.07.16 Radio Birdman, Needle Exchange, Modern Pets - Berlin, SO36 (ca. 800 Zuschauer) Foto: Tomb Huber (stammt vom Sjock Festival, sah aber in Berlin genau gleich aus)
Die Vorbands fand ich ausgesprochen gut. Zweimal Punk wie ich das derzeit vermisse. Nur wenige Bands halten die snotty 77er Fahne hoch derzeit. Needle Exchange und die Modern Pets, beide ansässig in Berlin, wissen dies mit ihrer eigenen Note zu würzen, müssten aber noch mal in angemesserem Ambiente betrachtet werden, da ihnen hier wirklich keine Zeit zur Entfaltung blieb und auch nicht viel Mühe mit dem Sound gegeben wurde.
Radio Birdman hab ich ja seit 2002 einige Male gesehen. Nie waren sie allerdings so gut wie heute. 14 Jahre später scheinen sie auch wirklich allmählich den Bodensatz des musikinteressierten Publikums zu erreichen. Neben denen, die 2002 auch schon da waren, hatten wir nun auch viele Gönner im Publikum, die 2002 in ihrer Frühteenie-Phase gerade bei Iron Maiden hingen, was man ihnen heute auch noch ansieht, doch sie seien herzlichen willkommen.
Radio Birdman gehören zu den ganz Grossen. Ihre Songs gehen immer. Sie sind nicht Punk, aber sie haben ihren eigenen Platz im Olymp des unangepassten Rocks, waren immer langhaarige Zottels, eher geradlinigere, songorientiertere MC5/Stooges.
Rob Younger ist in seiner Bescheidenheit ein wunderbarer, grossartiger Sympathieträger und sollte als Vorbild für alle arroganten blasierten Plastik-Rock'n'Roll-Snobs dienen.
(Ralf, 23.7.16)
Fr. 24.06.16

Mondo Furmatore, The Sonnenbergs - Berlin, Schokoladen (ca. 50 Zuschauer)
Das erfreut das Herz eines Berufsnörglers, wenn die interessante Band zuerst spielt, mit der Option vor Augen, während der mit Argwöhn erwarteten anderen Band schnell die Flucht ergreifen zu können.
Mondo Furmatore, da dürfen wir ein wenig zurückblättern - aber es gab schon mal einen ersten Blick, meine Damen und Herren, in dieser Gazette - Ihr erinnert Euch, es war gegen 2002, als Support von Jon Spencer in Wiesbaden, was ja nun wirklich erst schlappe 14 Jahre her ist. Länger als ich dachte. Jung waren wir damals, unverfroren, eine vierstündige Fahrt auf ein Konzert war durchaus üblich.
Ich hab gerade gelesen, dass mein damaliger Eindruck über MF gar nicht sooo positiv war, aber dennoch ... ich hab sie niemals vergessen und mich gefreut, hier wieder von ihnen zu hören und bin sofort hingerannt, zwischen zwei Terminen, denn später sollte noch ein Pflichtkonzert folgen.
Heute haben Mondo Furmatore einen Schlagzeuger, einen ausgezeichneten übrigens und wirken sonst etwas weniger experimentierfreudig als ich das von früher in Erinnerung habe. Das Mädchen spielt jetzt Bass, so dass auch das Lineup traditioneller geworden ist. Die Melodien sind schön und sanft, die Gitarren sehr gut und beschaulich. Wie damals, etwas zu soft für den älter aber nicht weniger anspruchsvoll gewordenen (was den Schrecklichkeitsfaktor des Anzuhörenden betrifft) Herren im Publikum. Dennoch Mondo Furmatore sind ok. Ich mag die. Indie-Rock, nichts Ungewöhnliches, aber richtig gemacht. Haltung und Roots wirken einfach 100% integer, es gibt keine Prätentiösität. Ich glaube, das ist mit, was ich bei denen so cool finde und was heute soooo vielen Bands fehlt.
Bspw. den Sonnenbergs. Die wirken wie ne zusammengewürfelte Hobbyband, spielen 60s-gefärbten Party-Pop-Rock, der eher auf Hochzeiten passen würde, auch vom spassgetriebenen Auftreten der Bandmitglieder her. Das hat kein musikalisches Profil und sie sind nicht ... um mal ne ganz bescheuerte Floskel zu verwenden, die ich eigentlich hasse, weil ich sie zuletzt völlig deplatziert von Menschen gehört habe, die einfach weder das Recht noch den Hauch einer Ahnung haben, was dies überhaupt in der Musik bedeutet ... authentisch!
(Ralf, 26.6.16)

Mo. 20.06.16


PJ Harvey
- Berlin, Zitadelle (ca. 8000 Zuschauer)
Bin noch nie hier gewesen, und so schön die Zitadelle auch ist, war das garantiert mein letzter Konzertbesuch hier. Typisches Open-Air Gedöhns. Wusste ich nicht, sonst hätte ich gewartet, bis sie in ein paar Monaten auf Clubtour kommt.
War aber eh kaum der Rede wert. Die neue Platte klingt wie eine etwas sparsamerer Fortsetzung von Let England Shake (und ich meine sparsam in jeder Hinsicht, also auch an Ideenvielfalt), wurde für die Bühne aber dreimal so pompös inszeniert, indem Harvey sich einen Chor an Soldatenmusikern zugelegt hat, die kräftig vor sich hinpaukten oder -tröteten.
Die Intimität der Harvey-Harvey-Parish-Butty-Konstellation der Auftritte zur letzten Platte hatte deutlich mehr Appeal für mich, wirkte weniger inszeniert, persönlicher, feinfühliger, bescheidener.
Klar, sie möchte uns nicht immer dasselbe vorsetzen, doch der Versuch sich neu zu erfinden, auf der Platte diesmal nur durch den ausufernden Einsatz von Saxofonen zu erkennen (lassen wir mal die ganze Message mit diesem Elends-Aufmerksammacher beiseite - denn dazu darf jeder seine eigene Meinung haben), fiel auch live bei mir auf keinen wohlwollend gestimmten Boden.
Ist halt doch nur ne Pop-Musikerin, dachte ich mir am Ende, bisschen anders, durchaus auch sympathisch und so, aber halt doch nur Pop. Ende.
Aber sicher, am Ende freut man sich dann aber trotzdem solche Typen wie Mick Harvey, John Parish, Jean-Marc Butty und diesmal auch die Kollegen von Gallon Drunk zu sehen, nämlich James Johnston und Terry Edwards. Um mich aber noch mal auf eins ihrer Konzerte zu locken, muss aber noch mal was Besonderes passieren, denn wie wohl ich erst mit White Chalk richtig auf Harvey eingestiegen bin, hab ich das Gefühl, jetzt schon wieder hinten runter zu gehen.
(Ralf, 22.6.16)

Do. 02.06.16 Alte Sau, Lime Crush - Berlin, ://about blank (ca. 120 Zuschauer)
Jens Rachut ist in Schaffen und Person einzigartig in Deutschland. Das muss einfach so gesagt werden. Als ich ihn vor zwei drei Jahren in Köln mit Kommando Sonnenmilch sah, hatten ihm die damals noch blutigen Nerven derart an die Wand gespielt, dass ich Schreckliches befürchtete. Zum Beispiel einen Generationswechsel. Aber heuer ist klar, dass die Nerven eine Ausnahmeband sind und Rachut, ungeachtet seiner Legende, sich ganz treu immer wieder neu erfinden kann, immer wieder wunderschöne Rattenlochpoesie entwirft und niemand sich Sorgen machen muss, dass er fad wird.
Mit Alte Sau bringt er Altgewohntes, kleidet es aber ungewohnt. Ein Synthie ist die Basis, macht alle Melodie und alle Bässe, ziemlich waveig, aber überall liegen natürlich dissonante Tretfallen, um das Ganze etwas für unser, an Widerborstigkeiten gewöhntes, Ohr anzupassen. Das Schlagzeug direkt, mitreissend, auch waveig, aber rumpelnd, so wie Rachuts Stimme. Und dazwischen, gerne gehört, der Mädchengesang. Man muss das lieben, auch wenn das schon soviele Leute lieben, dass dann auch mal etwas komisches Publikum zusammenläuft ... und mitgröhlt, herrje. Naja, man ist halt "glücklicherweise" nicht alleine auf der Welt, seufz.
Lime Crush sind eine Punkband aus Wien. 2 Mädchen, 2 Jungs. Haben mir eigentlich sehr gut gefallen, aber ich habs nicht so richtig mitbekommen, weil sie schon spielten als wir ankamen und ich mich erstmal etwas an die neue Location gewöhnen musste.
(Ralf, 4.6.16)
Sa. 28.05.16 The Trash Templars, The Kilaueas - Berlin, Cortina Bob (ca. 70 Zuschauer)
Nicht nur, dass sie hervorragend gespielt haben, die Trash Templars kamen im Cortina Bob bei ihrem Berlin-Debut auch ausnehmend gut an. Da eilt jemanden ein Ruf voraus.
Die Trash Templars haben sich über die letzten Jahre wirklich extrem verbessert und ihr Erfolg ist absolut verdient. Sie bedienen sich nun weniger an den 60s Garage Classics sondern setzen mehr und mehr auf eigene Songs und nutzen dadurch die Möglichkeit, sich auch musikalisch ein eigenständigeres Profil zu verpassen. Handwerklich und klanglich haben sie ihr Ding absolut im Griff. Man könnte jeden einzeln loben aber ihre grosse Stärke ist, dass sie das alles zu einem passenden Ganzen formen. Dazu kommt der sprühende jugendliche Charm. Man merkt, dass sie auch freundschaftlich gut harmonieren und ne Menge Spass zusammen haben. Ich bin gespannt, wie es weiter geht mit ihnen.
Davor die Berliner Kilaueas mit Surf- und Exotica. Leider bin ich nicht der grosse Surf-Fan. Hier hatte der Soundmann auch noch etwas mehr Schwierigkeiten. Der Sound war etwas dünn, leise und zu zahm. Aber so ist eben auch der Surf-Sound grundsätzlich. Ich mags lieber wenn es kracht. Die Kilaueas können aber auf eine lange Historie, vier LPs, Gigs und Fans in aller Welt zurückblicken.
Als ein weiteres Fazit dieses Abend stelle ich wirklich zum wiederholten Male fest, dass das Berliner Publikum wesentlich dankbarer und begeisterungsfähiger als sein Ruf ist, vorausgesetzt wenns nicht grade die coolen Hipsters sind, die den Zwang der Mode leider unabhängig vom dem leben müssen, was ihnen wirklich Spass macht. So gesehen sind sie die wahren Esoteriker, aber das nur am Rande. Berlin ist gut zu euch, liebe Bands.
(Ralf, 29.5.16)
Di. 24.05.16 The Jackets, Travel In Space - Berlin, BLO Ateliers (60 Zuschauer)
Jackie Brutsche, die vielseitige Künstlerin und schweizer Garage-Ikone seit über 15 Jahren, mit ihrer aktuellen Band The Jackets lockte auch an einem schäbigen Dienstag rund 60 Leute in die etwas abgelegenen BLO Ateliers ... und stellte mit ihrer hochunterhaltsamen Show den Laden fast auf den Kopf. Am Ende krümmte die Hälfte des völlig euphorisierten Publikums, erschossen von der grauenvoll schönen Chanteuse, auf dem Boden vor der Bühne und danach erstieg der barbäuchige und wahre Wilde der Garagenszene, der Maharadja des Voodoo-Beats Arish King Khan die Bühne und brüllte zusammen mit dem Berner Trio eine ungehobelte Punknummer in die Menge, dass man Lust bekam, sich die nächsten zwei Wochen nicht mehr zu waschen. Das sass!
Die Stimmung ins Rollen brachte aber auch bereits das Dirty-Blues-Forced-Through-A-A-A-A-Echo-Machine-From-Out-O-My-Mind-Duo Travel In Space, die locker aus dem offenen Schnürsenkel ein geradezu wahnwitzig intaktes Rhyhtmusgefühl präsentierten. Beide spielen Gitarre und singen. Einer tritt mit dem Fuss die Bassdrum, der andere die Snare, vom Becken-Rassel,Hi-Hat-Drumherum ganz schweigen. Das klingt so kaputt und sieht so leichtfertig aus, entlockte mir aber wirklich ein gehörig respektvolles Staunen. Die beiden sehen aus wie zwei verpeilte Abiturienten, die, auf ihren Studienplatz wartend, in den Tag träumen und zwar mit Rauchgräsern, die sie vom Mietzuschuss Muttis finanzieren, den sie nicht brauchen, weil sie sich bei Kumpels auf dem Sofa eingeschleimt haben. Ich sagte, sie sehen so aus. Ich sagte nicht, dass sie so sind, kapiert? Hervorragende Band!
(Ralf, 30.5.16)
Sa. 14.05.16
The Morlocks
- Berlin, Bassy Cowboy Club (200 Zuschauer)
Auf dem linken Foto, meine Herrschaften, sehen Sie ... die MORLOCKS!!! Auf dem rechten Foto sehen Sie ... auch die MORLOCKS. Sie haben sich überhaupt nicht verändert, oder? Selten ne Band gesehen, wo der Name so gut passt, haha. Hätten die Morlocks auf dem linken Foto schwarzgefärbte Haare gehabt und ihre Hackfressen in den Westküsten-Clubs der Mittachtziger etwas im Schatten verborgen, wären sie auf keinem Konzert der damals blühenden Neo-Garage-Szene aufgefallen. Wäre doch zu cool gewesen, wenn sie dann tatsächlich auch auf einem Konzert ihrer Namensableger aufgetaucht wären, die Mittelpunkt dieser Szene waren. Einziges Originalmitglied ist heute Sänger Leighton Koizumi, mittlerweile ansässig in Düsseldorf und dadurch mit einer neuen Schar aus Italien, Holland und Deutschland ausgiebigst unterwegs in ganz Europa.
Nun sind Neo-Bands ja leider oft enttäuschend ähnlich und auch die Morlocks machen da keine gravierende Ausnahme. Ihr grosser Vorteil ist aber dann doch die Persönlichkeit des Frontmannes, der mit seiner wundervoll tiefen Stimme und seiner männlichen aber dennoch selbstironischen Eloquenz ganz unerwartet doch noch Sex-Appeal versprüht. Das zumindest haben wir uns nach 6 Bieren eingeredet. Aber hey, er ist zweifelsohne echt lustig, ich hatte es nicht erwartet.
So boten die Morlocks Stoff für einen unterhaltsamen Abend, dem nur eine Vorband fehlte, denn sonst wären die Leute wohl völlig durchgedreht.
(Ralf, 30.5.16)

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Teufel