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Konzertbesprechungen
Die neusten Reviews findet Ihr hier, später werden sie chronologisch archiviert.

1999 - 2000 - 2001 - 2002 - 2003 - 2004 - 2005 - 2006 - 2007 - 2008 - 2009 - 2010 - 2011 - 2012 - 2013 - 2014 - 2015 - Aktuell

Alte Sau (Berlin, 2.6.16) - The Ar-Kaics (Hamburg, 8.4.16) - The Asteroids (Hamburg, 8.4.16) - Bad Future (Berlin, 25.3.16) - The Beauty Regime (Berlin 4.5.16) - Black Eyed Dog (Berlin 4.5.16) - The Blow-Ups (Berlin, 6.5.16) - Camera (Berlin, 5.4.16) - Catholic Guilt (Berlin, 25.3.16) - The Coathangers (Köln, 10.5.16) - The Courettes (Hamburg, 8.4.16) - Garden Gang (Berlin, 19.3.16) - Hysterese (Berlin, 25.3.16) - The Jackets (Berlin, 24.5.16) - The Kilaueas (Berlin, 28.5.16) - Levent (5.5.16 Berlin) - Lime Crush (Berlin, 2.6.16) - Lene Lovich (Köln, 12.5.16) - The Maggie's Marshmellows (Hamburg, 9.4.16) - The Morlocks (Berlin, 14.5.16) - Mugstar (Berlin, 5.4.16) - Die Nerven (5.5.16 Berlin) - King Salami and the Cumberland Three (Hamburg, 9.4.16) - The Scumbugs (Hamburg, 8.4.16) - The Strollers (Hamburg, 9.4.16) - The Teamsters (Berlin, 6.5.16) - The Trash Templars (Hamburg, 9.4.16, Berlin, 28.5.16) - Travel In Space (Berlin, 24.5.16) - The Vagoos (Berlin, 6.5.16)

Do. 02.06.16 Alte Sau, Lime Crush - ://about blank (ca. 120 Zuschauer)
Jens Rachut ist in Schaffen und Person einzigartig in Deutschland. Das muss einfach so gesagt werden. Als ich ihn vor zwei drei Jahren in Köln mit Kommando Sonnenmilch sah, hatten ihm die damals noch blutigen Nerven derart an die Wand gespielt, dass ich Schreckliches befürchtete. Zum Beispiel einen Generationswechsel. Aber heuer ist klar, dass die Nerven eine Ausnahmeband sind und Rachut, ungeachtet seiner Legende, sich ganz treu immer wieder neu erfinden kann, immer wieder wunderschöne Rattenlochpoesie entwirft und niemand sich Sorgen machen muss, dass er fad wird.
Mit Alte Sau bringt er Altgewohntes, kleidet es aber ungewohnt. Ein Synthie ist die Basis, macht alle Melodie und alle Bässe, ziemlich waveig, aber überall liegen natürlich dissonante Tretfallen, um das Ganze etwas für unser, an Widerborstigkeiten gewöhntes, Ohr anzupassen. Das Schlagzeug direkt, mitreissend, auch waveig, aber rumpelnd, so wie Rachuts Stimme. Und dazwischen, gerne gehört, der Mädchengesang. Man muss das lieben, auch wenn das schon soviele Leute lieben, dass dann auch mal etwas komisches Publikum zusammenläuft ... und mitgröhlt, herrje. Naja, man ist halt "glücklicherweise" nicht alleine auf der Welt, seufz.
Lime Crush sind eine Punkband aus Wien. 2 Mädchen, 2 Jungs. Haben mir eigentlich sehr gut gefallen, aber ich habs nicht so richtig mitbekommen, weil sie schon spielten als wir ankamen und ich mich erstmal etwas an die neue Location gewöhnen musste.
(Ralf, 4.6.16)
Sa. 28.05.16 The Trash Templars, The Kilaueas - Berlin, Cortina Bob (ca. 70 Zuschauer)
Nicht nur, dass sie hervorragend gespielt haben, die Trash Templars kamen im Cortina Bob bei ihrem Berlin-Debut auch ausnehmend gut an. Da eilt jemanden ein Ruf voraus.
Die Trash Templars haben sich über die letzten Jahre wirklich extrem verbessert und ihr Erfolg ist absolut verdient. Sie bedienen sich nun weniger an den 60s Garage Classics sondern setzen mehr und mehr auf eigene Songs und nutzen dadurch die Möglichkeit, sich auch musikalisch ein eigenständigeres Profil zu verpassen. Handwerklich und klanglich haben sie ihr Ding absolut im Griff. Man könnte jeden einzeln loben aber ihre grosse Stärke ist, dass sie das alles zu einem passenden Ganzen formen. Dazu kommt der sprühende jugendliche Charm. Man merkt, dass sie auch freundschaftlich gut harmonieren und ne Menge Spass zusammen haben. Ich bin gespannt, wie es weiter geht mit ihnen.
Davor die Berliner Kilaueas mit Surf- und Exotica. Leider bin ich nicht der grosse Surf-Fan. Hier hatte der Soundmann auch noch etwas mehr Schwierigkeiten. Der Sound war etwas dünn, leise und zu zahm. Aber so ist eben auch der Surf-Sound grundsätzlich. Ich mags lieber wenn es kracht. Die Kilaueas können aber auf eine lange Historie, vier LPs, Gigs und Fans in aller Welt zurückblicken.
Als ein weiteres Fazit dieses Abend stelle ich wirklich zum wiederholten Male fest, dass das Berliner Publikum wesentlich dankbarer und begeisterungsfähiger als sein Ruf ist, vorausgesetzt wenns nicht grade die coolen Hipsters sind, die den Zwang der Mode leider unabhängig vom dem leben müssen, was ihnen wirklich Spass macht. So gesehen sind sie die wahren Esoteriker, aber das nur am Rande. Berlin ist gut zu euch, liebe Bands.
(Ralf, 29.5.16)
Di. 24.05.16 The Jackets, Travel In Space - Berlin, BLO Ateliers (60 Zuschauer)
Jackie Brutsche, die vielseitige Künstlerin und schweizer Garage-Ikone seit über 15 Jahren, mit ihrer aktuellen Band The Jackets lockte auch an einem schäbigen Dienstag rund 60 Leute in die etwas abgelegenen BLO Ateliers ... und stellte mit ihrer hochunterhaltsamen Show den Laden fast auf den Kopf. Am Ende krümmte die Hälfte des völlig euphorisierten Publikums, erschossen von der grauenvoll schönen Chanteuse, auf dem Boden vor der Bühne und danach erstieg der barbäuchige und wahre Wilde der Garagenszene, der Maharadja des Voodoo-Beats Arish King Khan die Bühne und brüllte zusammen mit dem Berner Trio eine ungehobelte Punknummer in die Menge, dass man Lust bekam, sich die nächsten zwei Wochen nicht mehr zu waschen. Das sass!
Die Stimmung ins Rollen brachte aber auch bereits das Dirty-Blues-Forced-Through-A-A-A-A-Echo-Machine-From-Out-O-My-Mind-Duo Travel In Space, die locker aus dem offenen Schnürsenkel ein geradezu wahnwitzig intaktes Rhyhtmusgefühl präsentierten. Beide spielen Gitarre und singen. Einer tritt mit dem Fuss die Bassdrum, der andere die Snare, vom Becken-Rassel,Hi-Hat-Drumherum ganz schweigen. Das klingt so kaputt und sieht so leichtfertig aus, entlockte mir aber wirklich ein gehörig respektvolles Staunen. Die beiden sehen aus wie zwei verpeilte Abiturienten, die, auf ihren Studienplatz wartend, in den Tag träumen und zwar mit Rauchgräsern, die sie vom Mietzuschuss Muttis finanzieren, den sie nicht brauchen, weil sie sich bei Kumpels auf dem Sofa eingeschleimt haben. Ich sagte, sie sehen so aus. Ich sagte nicht, dass sie so sind, kapiert? Hervorragende Band!
(Ralf, 30.5.16)
Sa. 14.05.16
The Morlocks
- Berlin, Bassy Cowboy Club (200 Zuschauer)
Auf dem linken Foto, meine Herrschaften, sehen Sie ... die MORLOCKS!!! Auf dem rechten Foto sehen Sie ... auch die MORLOCKS. Sie haben sich überhaupt nicht verändert, oder? Selten ne Band gesehen, wo der Name so gut passt, haha. Hätten die Morlocks auf dem linken Foto schwarzgefärbte Haare gehabt und ihre Hackfressen in den Westküsten-Clubs der Mittachtziger etwas im Schatten verborgen, wären sie auf keinem Konzert der damals blühenden Neo-Garage-Szene aufgefallen. Wäre doch zu cool gewesen, wenn sie dann tatsächlich auch auf einem Konzert ihrer Namensableger aufgetaucht wären, die Mittelpunkt dieser Szene waren. Einziges Originalmitglied ist heute Sänger Leighton Koizumi, mittlerweile ansässig in Düsseldorf und dadurch mit einer neuen Schar aus Italien, Holland und Deutschland ausgiebigst unterwegs in ganz Europa.
Nun sind Neo-Bands ja leider oft enttäuschend ähnlich und auch die Morlocks machen da keine gravierende Ausnahme. Ihr grosser Vorteil ist aber dann doch die Persönlichkeit des Frontmannes, der mit seiner wundervoll tiefen Stimme und seiner männlichen aber dennoch selbstironischen Eloquenz ganz unerwartet doch noch Sex-Appeal versprüht. Das zumindest haben wir uns nach 6 Bieren eingeredet. Aber hey, er ist zweifelsohne echt lustig, ich hatte es nicht erwartet.
So boten die Morlocks Stoff für einen unterhaltsamen Abend, dem nur eine Vorband fehlte, denn sonst wären die Leute wohl völlig durchgedreht.
(Ralf, 30.5.16)
Do. 12.05.16 Lene Lovich - Köln, Sonic Ballroom (ca. 50 Zuschauer)
Ein Abend der Eigenartigkeit. Lene Lovich kennen wir ja alle noch als sowas wie die poppigere Ausgabe von Siouxie Sioux. Sie stellte uns heute aber erstmal gehörig auf die Probe, denn zwei ihrer Bandmitglieder bestritten nacheinander ein anstrengendes Vorprogramm, indem sie zu vorgefertigten vorallem elektronischen Songs sangen. Bei dem Schlagzeuger bin ich nach etwa 5 Sekunden wieder nach draussen geflüchtet, bei der Keyboarderin schaffte ich drei Songs.
So unterhielt man sich an einem lauen Maiabend und trank Bier im Garten des Ballrooms, bis die Dame dann endlich die Bühne betrat. Sie ist lustig, trägt immer noch ihre Wüstengruftie-Klamotten auf, trällert fröhlich vor sich hin und bringt ihre alten Hymnen wie "In the Dark there is Light". Das wirkt aber null verbissen, hat eher eine augenzwinkernde, selbstironische Note.
Die Band aber schrubbelte arg im Wald rum und dazu sowas von schwachbrüstig, kraftlos, geradezu aufreizend amateurhaft. Die Bassistin hatte augenscheinlich Schwierigkeiten auf 4 zu zählen, vom Timing ganz zu schweigen. Dazu starrten sie dennoch verkrampft auf ihre Finger, um wenigstens jeden zweiten Akkord in akzeptabler Zeit-und-Raum-Balance zu erwischen. Die Keyboarderin versuchte an den "ganz schwierigen" Breaks zu dirigieren, doch Töne auf dem Griffbrett zu finden, den Takt zu halten und noch auf einen Dirigenten zu achten, das kann ja nun wirklich niemand von einem erwarten.
Zunächst dachte ich, Lene hätte echt ne bessere Begleitband verdient, doch wenn man sich mal dran gewöhnt hatte, bekam es einen nostalgisch verklärten Charm. Ich dachte, damals war das bestimmt genau gleich wie heute. Wenn man sie so unter ihrem Turban rausgrinsen sah, dachte man, dass sie genau weiss was sie tut und die Band bestimmt über viele Jahre gecastet hat.
Und sie hat eine schauderhafte Gang an Fans angezogen, brrrrr (so ganz ausschliessen kann man sich ja nicht, wenn man ne Eintrittskarte gekauft hat, auch wenn wir aussen sassen und hinten standen). Also konnten wir cool bleiben und hatten am Ende doch noch einen sehr unterhaltsamen Abend. Hör mal, Lene ist 68 Jahre alt!
Sehr geile Fotos von einem aktuellen Konzert findet Ihr hier: LL, London, Cargo (24.4.13)
(Ralf, 29.5.16)
Di. 10.05.16 The Coathangers - Köln, Tsunami (ca. 50 Zuschauer)
Riot Girls aus USA. Als ich mir überlegte, ob ich da hingehen möchte, hab ich kurz in ein Video gespäht und einen positiven Eindruck bekommen. Klang dreckig, nicht zu poppig und clean.
Am Abend erwiesen sie sich aber vorallem als langweilig und eintönig. Ein paar schräge Akzente vermochten sie zu setzen und wenn sie zusammen sangen, gefiel es mir teils sogar.
Ich hätte die aber vielleicht als Vorband im Sonic Ballroom gebucht oder wochentags vielleicht auch alleine. Die meisten Anwesenden schienen es ja auch gemocht zu haben. Der Pulk der Wenigen schmiegte sich eng an die Bühne und da sind wir leider auch beim Thema. Ist halt ne Band mit hübschen Mädchen. Jungs finden das gut, weil ihnen Mädchen gefallen und Mädchen finden das gut, weil sie sich mit denen identifizieren möchten. Trotzdem: Sie sind nicht gut.
17 Euro Eintritt!!! Ich will nicht wissen, was die an Gage verlangten. Für den Veranstalter hat es sich mit einem nicht mal halb vollen Laden ganz sicher nicht gelohnt und dann steht auch fest, dass die Band nicht nur dafür zu teuer ist, was sie an Qualität liefert aber auch noch nicht bekannt genug. Wenn man bedenkt, dass die hier schon zwischen den Booking Agenturen hinundher gerissen werden, dann kann ich nur sagen, dass hier das Verhältnis nicht stimmt. Die sind ganz offensichtlich masslos überschätzt und werden viel zu hoch gehandelt.
(Ralf, 11.5.16)
Fr. 06.05.16 The Teamsters, The Vagoos, The Blow-Ups - Berlin, BLO Ateliers (ca. 100 Zuschauer)
Londons Beatniks No 1 The Teamsters weiterhin mit herausragenden Kompositionen, gutem Sound und sehr gutem Gesang. Leider nachwievor auch etwas teigig und behäbig auf der Bühne. Die sind ja immer noch superjung, bewegen sich aber schon wie mindestens 20 Jahre älter, haha. Mir machen sie dennoch sehr viel Spass und ich liebe ihre Platten.
Die Vagoos aus Rosenheim davor teils mit garagigem 60s R&B, gemischt mit verhallten Balladen, die irgendwie ok waren, aber nicht so mein Ding. Am Ende ein punkiger Höhepunkt an dem vorallem der Schlagzeuger glänzen konnte, der ohnehin als einziger emotional involviert wirkte, oder das zumindest auch zeigen konnte.
The Blow-Ups hatten keine Probleme ihre Leidenschaft für das zu zeigen, was sie machen. Diese Jungs leben ihr Ding mit vollkommener Begeisterung, sind musikalisch aber nicht ganz sattelfest. Man muss kein grosser Handwerker sein um mir zu gefallen und reicht mir, was sie anbieten. Garage-Punk mit zwei Schlagzeugern, fast wie das Clone-Drum bei den Monsters, nur dass jeder auch seine eigenen Bassdrum benutzt. Die Songs fand ich insgesamt ziemlich ok.
(Ralf, 16.5.16)
Do. 05.05.16

Die Nerven, Levent - Berlin, Volksbühne (ca. 600 Zuschauer)
Levent ist eine Berliner Band mit einer ganz schön unangenehmen Ausstrahlung. Kann ja auch mal interessant sein, für mich an diesem Abend leider gar nicht. Ich hoffe ich werde die nie wieder sehen müssen. Musikalisch war das komisch klingender Grunge, ein bisschen wie die eine oder andere eher künstlerische Riotgirls Band Anfang der 90er. Die Gitarre klang sehr tief, ich glaub die nennen das auch Bass 2 oder so. Selbst recht hoch gespielte Töne hatten soviel Tiefen, dass der Sound der Bassgitarre dadurch komplett verschluckt wurde. Wieviel davon Absicht ist oder auch über die PA verschlimmert wurde, ist schwer zu sagen. Ich bin bei den Nerven dann erstmal weiter nach hinten gegangen, weil ich dachte, was haben die denn für nen beschissenen Sound hier. Bei den Nerven war aber alles gut.
Die Jungs sind mittlerweile sehr euphorisch und waren offensichtlich ziemlich geflasht von der Reaktion des Publikums, die sehr respektvoll war, was ja nicht immer ganz klappt, wenn der Laden so voll ist und man anfängt auch Randgruppen aufs Konzert zu locken.
Das scheint hier noch alles im Grünen zu sein. Die Band selbst ist noch besser geworden seit ich sie das letzte Mal gesehen habe. Nicht nur spielerisch, sondern vorallem auch kompositorisch und dramaturgisch, und sie sind immer noch bodernständig und sympathisch. Man kann nur hoffen, dass das noch ne Weile so bleibt, denn der Druck auf die Everybodys Darlings der deutschen Musikszene ist natürlich immens. Ich spreche nicht von Erfolgsdruck sondern, von dem Druck, bei all dem Erfolg, all dieser Lobhudelei normal zu bleiben und sich davon möglichst wenig beeindrucken zu lassen. Ich wünsche ihnen sehr, dass sie das durchstehen.
(Ralf, 16.5.16)

Mi. 04.05.16 Black Eyed Dog, The Beauty Regime - Berlin, Schokoladen (ca. 50 Zuschauer)
Oha! Eine sehr zappelige Kapelle in vielerlei Hinsicht. Black Eyed Dog sind ein junges hübsches Mädchen mit einer Austrahlung, die man bei sich behält und ein Schlaks mit nach innen gedrehten Füssen und einem viel zu grossen Anzug, der ihn, mit seiner an ihm wie ein Kinderspielzeug hängenden E-Guitar-style-Mandoline, wie das Werkzeug eines versoffenen Marionettenspielers wirken lässt. Sie sind aus Italien und haben noch einen Drummer dabei.
Die sind authentisch und haben viel Sympathie. Zum Beispiel, dass sie auch als erstes gespielt haben, hat sich für uns in vielerlei Hinsicht gelohnt. Das zeugt von ausgekochter Bescheidenheit.
Sie keuchen einem wirr aber in gutem Englisch Textfetzen entgegen, deren Melodien ihnen gerade einzufallen scheinen und die vorallem eins nicht haben dürfen: Zwei gleich klingende Zeilen. Das Mädchen zeigt gelegentlich dennoch sogar recht hohe gesangliche Fähigkeiten, die sie aber wie ein Schätzchen für sich im Kästchen verbirgt und die scheinbar unabsichtlich plötzlich kurz entweichen ... nur um dann gleich wieder kontrolliert zu werden ... durch konvulsives Gegurgle.
Nach jedem Song zerstreute Hektik. Gitarren werden gewechselt, Mandolinen getauscht, mit verdrehten Gurten umgebunden, gestimmt, die Steckverbindungen der Effektgeräte geprüft und hier und da etwas am Knopf gedreht. Man verfolgt das unkoordiniert wirkende Treiben mit staunenden Augen, bis sie in den nächsten Song brechen, wo sich das Schauspiel fortsetzt: Abgehakte, verworrene Kompositionen. Die Lautleise-Verhältnisse sind so unterschiedlich, dass manchmal nicht ganz klar scheint, ob das schon oder noch ein Song ist oder ob die gerade was probieren. Wenn Fahrt aufgenommen wird, wird sofort wieder gebremst und zweimal abgebogen.
Für mich sehr schwer zu folgen und zu gutieren. Einige Songs oder Fragmente davon waren wirklich grossartig. Am Ende fehlte mir aber die Freiheit, auch mal was gehen zu lassen, einem Rhythmus, einer Melodie zu folgen und ihr eine Chance zu geben.
Aber interessant und unterhaltsam waren sie auf alle Fälle. Würde ich mir sehr gerne noch mal ansehen.
Danach die Berliner The Beauty Regime, nicht mein Ding. Überhaupt nicht.
(Ralf, 11.5.16)
Sa. 09.04.16 Garageville No. 5 mit The Trash Templars, The Maggie's Marshmallows, The Strollers, King Salami and the Cumberland Three - Hamburg, Hafenklang (ca. 300 Zuschauer, ausverkauft)
Zweiter Tag. Früh gehts los. Der Kater vom Vorabend steckt uns noch in den Knochen. Die Trash Templars, eine junge Kombo aus Bielefeld, mittlerweile mit fast ausschliesslich eigenen Nummern, weiss vor allem mit coolen Ideen (das Tempelritter-Outfit mit Blecheimern auf dem Kopp), grossartigem Gesang und gemein-dissonanten Gitarreneinwürfen zu überzeugen. Sie sind die Speerspitze des Garage-Nachwuchses in Deutschland und lassen uns erwartungsvoll in die Zukunft sehen.
Die tschechischen Maggie's Marshmellows danach gefielen mir nicht sehr. Wenn die Sängerin sehr rotzig wurde, fand ich's ok, ansonsten hatten sie für mich ein zu abweisendes Gebahren und waren eher cool als wild ... aber ich mag eben wild lieber.
Mit den Strollers aus Schweden dann die handwerklich beste Band des Festivals. Sie sehen immer noch toll aus, die mittelalten Recken. Was nach dieser Reunion zu erwarten ist, bleibt offen. Zumindest gibts mal ne Single. Ähnlich wie die Maharajas letztes Jahr sind sie der Garage bereits deutlich entwachsen. Das ist fast schon Rock. Die Kompositionen schichten die Harmonien schon geradezu kunstvoll ineinander. Mathias wirkte, wie letztes Jahr auch, fast ein wenig verbissen, aber ich glaube, der ist einfach so. Eine geile Band, erwachsen heute, in Sound, Komposition und eigenem Anspruch, aber Helden des Prä-Punks, die genau dann kamen, als viele Punkbands langweilige Stadionrocker wurden und eine Fahne stützen halfen, die schon fast am Fallen war.
Am Ende King Salami, eine Unterhaltungsband aus England, die den Laden dann endgültig zum Überkochen brachte. Für mich sind die nix. Mir sind die einfach dreimal zu übertrieben und haben nichts wirklich Bemerkenswertes von musikalischer Seite zu bieten. Viel Spass aber für das Partypublikum.
(Ralf, 28.4.16)
Fr. 08.04.16 Garageville No. 5 mit The Courettes, The Asteroids, The Scumbugs, The Ar-Kaics - Hamburg, Molotow (ca. 250 Zuschauer, ausverkauft)
Zwei Abende Garagenpunk mit internationalem High-Quality-Lineup in den wilden Gassen der Hafenstadt. Beatniks, Punks, Freaks und Snobs bis zum Abwinken. Danach Party, länger als man es aushält.
Zu Beginn das dänisch-brasilianische Duo The Courettes mit 60s Lo-Fi-Punk nicht ohne Headcoatees Charm. Gute Songs, guter Sound, eine hübsche Dame an Gesang und Gitarre, nicht immer ganz sattelfest bei dem was sie tat, was der Sache aber stilgerecht nicht abträglich ist. Der Drummer eine Kanone fürs Auge und den Beat. Danach die Asteroids aus Giessen. Weniger wild, klassischer, geradliniger, insgesamt ein Tick biederer, dafür mit voller Kombo breiter im Sound. Auch in der Einstellung sind sie etwas offener. Nicht so sehr die Hardlinerfraktion, was mir lieber ist, weil nicht so verkrampft.
Danach Gelegenheit für die Scumbugs aus Norwegen mit ihren Ameisenmasken und einer exaltierten Show wieder Fahrt auf der Weirdness-Skala aufzunehmen. 100 Punkte für den Organisten, der den coolsten Job des Festivals hatte. Hinterundwiedermal Tasten drücken, bisschen Backgroundsingen dafür umso öfter Kurze hinter die Maske schütten.
Am Ende des ersten Abends dann die ganz grosse Qualität mit den Ar-kaics aus den USA. Die einzige Band mit wirklich perfektem Sound, eigenwilliges Songwriting, erstmals am Abend auch mit viel Gefühl. Die offensichtlich simplen Punk-Tunes wurden von Song zu Song vielfältiger und überraschender. Das Mädchen an den Drums fast wie Peg von den Gories, primitiv aber fantastisch gut in Time. Als letzte Band des Abends waren sie vielleicht etwas zu introvertiert, quasi das Gegenteil von King Salami am nächsten Tag, für mich dennoch die angenehmste Überraschung des Festivals.
(Ralf, 8.4.16)
Di. 05.04.16 Camera, Mugstar - Berlin, Urban Spree (ca. 120 Zuschauer) Foto Andreas Budtke
Es heisst, ihm wurde Unrecht getan, und ich glaube das auch, denn jeder von uns weiss, wie anders sich Dinge darstellen, wenn sie aus dem Zusammenhang gerissen werden. Nichtsdestotrotz eignet er sich dank seiner Eigenschaft als wahnsinniges Genie hervorragend als Opfer derartiger journalistischer Attacken. Die Rede ist von Anton Newcombe, Mastermind der Band the Brian Jonestown Massacre und der Doku DIG!, ein höchst unterhaltsames Stück Film und ich habe schon in meinem Artikel über die Dandy Warhols letztes Jahr darüber geschrieben..
Aber wir sind ja aufgeklärte Menschen und urteilen nicht (hehe), dennoch sind wir auch Fans und lieben die Unterhaltung.
Anton lebt heute in Berlin und er war Gastmusiker bei Camera.
Es ist ja nicht unbekannt, dass die letzte (vielleicht war es auch die vorvorletzte, ich sitze ja schliesslich auch irgendwo unterm Stein) Generation alternativ geprägter Musiker auf Krautrock und unter anderem eben auch auf die Band NEU! stehen. So ist es ja nicht schwer, sich zusammenzureimen, woher das Interesse kommt, da auch mal mitmischen zu wollen.
Egal. Camera als eine Band zu bezeichnen, die das Erbe von Neu! fortführt, ist einfach, aber ich liebe Einfachheit. Verflucht, wer denkt, sie machen es sich selbst einfach, denn was diese Jungs abliefern hat schon ausnehmend hohes Niveau.
Die Hauptrolle, das Fleisch und Blut von Camera betreibt das Keyboard. Hier wird der Handlungsrahmen vorgegeben, die Stimmung gelenkt, der Ton bestimmt. Der Star ist das Schlagzeug. Der Mann ist sensationell und trägt zudem einen Grossteil dazu bei, dass trotz aller Längen niemals Langeweile aufkommt, selbst die Pausen füllt er mit gezieltem Nichts. Die Gitarristen sind wichtig, sind in den aktuellen Camera aber eher vorallem anreichernd, nicht Grundlage.
Dazu hatten sie einen Damo mitgebracht, der, ich weiss nicht wie, in diesem dunklen Licht von seinen DinA4-Blättern abproklamierte, allerdings nur sehr akzentuiert eingesetzt, also bei zwei Songs, wenn ich nichts verschlafen habe.
Am Ende ging die Veranstaltung dann für einen Dienstag doch ziemlich lang. Das bunte Publikum wurde unruhig oder verzog sich. Nur die Hälfte hielt es bis zum Ende aus.
Daran hatte auch die langweilige Vorband Mugstar aus Liverpool ihren Anteil. Drone-Rock ohne vergleichbare Qualität, viel zu lange gespielt, viel zu lange umgebaut. Es wirkte als wären sie längst auf längerer Tour und wollten sich für diesen Abend nicht in ein kürzeres, aber dem Publikum zugänglicheres Vorbandprogramm ergeben.
Und auch die Musik zwischen den Songs war sehr unruhig und anstrengend. Das war alles gut gemeint, trug aber nicht dazu bei, das aufdringliche Chaos in dem ungemütlichen Konzertraum im Urban Spree zu verringern.
Für Camera hat sich das Kommen aber gelohnt. Ich war durchaus begeistert.
(Ralf, 17.4.16)
Fr. 25.03.16 Hysterese, Catholic Guilt, Bad Future - Berlin, Kastanienkeller (ca. 120 Zuschauer, soldout)
Zuerst Bad Future aus Seattle. Vermutlich die besten Musiker des Abends, starteten sie auch sehr kraftvoll und direkt, konnten die Energie aber leider nicht aufrecht erhalten, weil sie sich in vertrackten Arrangements verloren und die etwas künstlich aggressive Stimme kaum einen zweiten Ton kennt. So variantenreich sie sind, im Fortgang des Sets nutzt sich das ab. Ich fühle jugendliche Vergangenheit im Metal.
Catholic Guilt aus Graz danach etwas direkter, punkiger, wütender, wenn auch stimmlich leider nicht so stark, gefielen sie mir eigentlich ziemlich gut. Das war endlich mal richtig Punk!
Dasselbe gilt natürlich auch für Hysterese, die dann als einzige Band des Abends auch kompositorisch hohe Qualität bewiesen. Das ist richtig eigenwillig aber eingängiger Riff-Punk mit clever auf den Punkt geschachtelten Male-Female-Vocals, immer am Limit, mit der richtigen Mischung aus Angepisstheit und Melancholie. Auch dem souveränen Auftreten merkt man natürlich die deutlich grössere Erfahrung gegenüber den Vorgängern an.
Trotzdem: Von Seiten durchgehender Integrität, Qualität und Durchschlagkraft waren allesamt besser als die Garden Gang am Wochenende davor. Und hier standen Menschen auf der Bühne, die teilweise halb so alt waren.
(Ralf, 26.3.16)
Sa. 19.03.16 Garden Gang - Berlin, Wild At Heart (ca. 50 Zuschauer)
Hatte ich vor Jahren schon mal als Backing Band von TV Smith auf Deutschlandtour gesehen. Irgendwie leben die ihr Ding auch mit dem kindlichen Charm der Liebhaberei, zumindest der Sänger und die Sängerin. Sie sind nicht besonders gut aber sie meinen es gut und das möchte ich ihnen unbedingt anrechnen.
(Ralf, 26.3.16)

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Teufel