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The Ar-Kaics (Hamburg, 8.4.16) - The Asteroids (Hamburg, 8.4.16) - Bad Future (Berlin, 25.3.16) - Camera (Berlin, 5.4.16) - Catholic Guilt (Berlin, 25.3.16) - The Courettes (Hamburg, 8.4.16) - The Fall (Berlin, 12.3.16) - Garden Gang (Berlin, 19.3.16) - Hysterese (Berlin, 25.3.16) - The Jet-Sons (Berlin, 15.1.16) - Los Infierno (Köln, 29.7.15) - Lydia Lunch Retrovirus (Köln, 10.3.16) - The Maggie's Marshmellows (Hamburg, 9.4.16) - Jesse Malin (Berlin, 5.3.16) - The Mobbs (Berlin, 15.1.16) - Mugstar (Berlin, 5.4.16) - King Salami and the Cumberland Three (Hamburg, 9.4.16) - The Satelliters (Berlin, 11.3.16) - The Scumbugs (Hamburg, 8.4.16) - The Strollers (Hamburg, 9.4.16) - The Trash Templars (Hamburg, 9.4.16)

Sa. 09.04.16 Garageville No. 5 mit The Trash Templars, The Maggie's Marshmallows, The Strollers, King Salami and the Cumberland Three - Hamburg, Hafenklang (ca. 300 Zuschauer, ausverkauft)
Zweiter Tag. Früh gehts los. Der Kater vom Vorabend steckt uns noch in den Knochen. Die Trash Templars, eine junge Kombo aus Bielefeld, mittlerweile mit fast ausschliesslich eigenen Nummern, weiss vor allem mit coolen Ideen (das Tempelritter-Outfit mit Blecheimern auf dem Kopp), grossartigem Gesang und gemein-dissonanten Gitarreneinwürfen zu überzeugen. Sie sind die Speerspitze des Garage-Nachwuchses in Deutschland und lassen uns erwartungsvoll in die Zukunft sehen.
Die tschechischen Maggie's Marshmellows danach gefielen mir nicht sehr. Wenn die Sängerin sehr rotzig wurde, fand ich's ok, ansonsten hatten sie für mich ein zu abweisendes Gebahren und waren eher cool als wild ... aber ich mag eben wild lieber.
Mit den Strollers aus Schweden dann die handwerklich beste Band des Festivals. Sie sehen immer noch toll aus, die mittelalten Recken. Was nach dieser Reunion zu erwarten ist, bleibt offen. Zumindest gibts mal ne Single. Ähnlich wie die Maharajas letztes Jahr sind sie der Garage bereits deutlich entwachsen. Das ist fast schon Rock. Die Kompositionen schichten die Harmonien schon geradezu kunstvoll ineinander. Mathias wirkte, wie letztes Jahr auch, fast ein wenig verbissen, aber ich glaube, der ist einfach so. Eine geile Band, erwachsen heute, in Sound, Komposition und eigenem Anspruch, aber Helden des Prä-Punks, die genau dann kamen, als viele Punkbands langweilige Stadionrocker wurden und eine Fahne stützen halfen, die schon fast am Fallen war.
Am Ende King Salami, eine Unterhaltungsband aus England, die den Laden dann endgültig zum Überkochen brachte. Für mich sind die nix. Mir sind die einfach dreimal zu übertrieben und haben nichts wirklich Bemerkenswertes von musikalischer Seite zu bieten. Viel Spass aber für das Partypublikum.
(Ralf, 28.4.16)
Fr. 08.04.16 Garageville No. 5 mit The Courettes, The Asteroids, The Scumbugs, The Ar-Kaics - Hamburg, Molotow (ca. 250 Zuschauer, ausverkauft)
Zwei Abende Garagenpunk mit internationalem High-Quality-Lineup in den wilden Gassen der Hafenstadt. Beatniks, Punks, Freaks und Snobs bis zum Abwinken. Danach Party, länger als man es aushält.
Zu Beginn das dänisch-brasilianische Duo The Courettes mit 60s Lo-Fi-Punk nicht ohne Headcoatees Charm. Gute Songs, guter Sound, eine hübsche Dame an Gesang und Gitarre, nicht immer ganz sattelfest bei dem was sie tat, was der Sache aber stilgerecht nicht abträglich ist. Der Drummer eine Kanone fürs Auge und den Beat. Danach die Asteroids aus Giessen. Weniger wild, klassischer, geradliniger, insgesamt ein Tick biederer, dafür mit voller Kombo breiter im Sound. Auch in der Einstellung sind sie etwas offener. Nicht so sehr die Hardlinerfraktion, was mir lieber ist, weil nicht so verkrampft.
Danach Gelegenheit für die Scumbugs aus Norwegen mit ihren Ameisenmasken und einer exaltierten Show wieder Fahrt auf der Weirdness-Skala aufzunehmen. 100 Punkte für den Organisten, der den coolsten Job des Festivals hatte. Hinterundwiedermal Tasten drücken, bisschen Backgroundsingen dafür umso öfter Kurze hinter die Maske schütten.
Am Ende des ersten Abends dann die ganz grosse Qualität mit den Ar-kaics aus den USA. Die einzige Band mit wirklich perfektem Sound, eigenwilliges Songwriting, erstmals am Abend auch mit viel Gefühl. Die offensichtlich simplen Punk-Tunes wurden von Song zu Song vielfältiger und überraschender. Das Mädchen an den Drums fast wie Peg von den Gories, primitiv aber fantastisch gut in Time. Als letzte Band des Abends waren sie vielleicht etwas zu introvertiert, quasi das Gegenteil von King Salami am nächsten Tag, für mich dennoch die angenehmste Überraschung des Festivals.
(Ralf, 8.4.16)
Di. 05.04.16 Camera, Mugstar - Berlin, Urban Spree (ca. 120 Zuschauer) Foto Andreas Budtke
Es heisst, ihm wurde Unrecht getan, und ich glaube das auch, denn jeder von uns weiss, wie anders sich Dinge darstellen, wenn sie aus dem Zusammenhang gerissen werden. Nichtsdestotrotz eignet er sich dank seiner Eigenschaft als wahnsinniges Genie hervorragend als Opfer derartiger journalistischer Attacken. Die Rede ist von Anton Newcombe, Mastermind der Band the Brian Jonestown Massacre und der Doku DIG!, ein höchst unterhaltsames Stück Film und ich habe schon in meinem Artikel über die Dandy Warhols letztes Jahr darüber geschrieben..
Aber wir sind ja aufgeklärte Menschen und urteilen nicht (hehe), dennoch sind wir auch Fans und lieben die Unterhaltung.
Anton lebt heute in Berlin und er war Gastmusiker bei Camera.
Es ist ja nicht unbekannt, dass die letzte (vielleicht war es auch die vorvorletzte, ich sitze ja schliesslich auch irgendwo unterm Stein) Generation alternativ geprägter Musiker auf Krautrock und unter anderem eben auch auf die Band NEU! stehen. So ist es ja nicht schwer, sich zusammenzureimen, woher das Interesse kommt, da auch mal mitmischen zu wollen.
Egal. Camera als eine Band zu bezeichnen, die das Erbe von Neu! fortführt, ist einfach, aber ich liebe Einfachheit. Verflucht, wer denkt, sie machen es sich selbst einfach, denn was diese Jungs abliefern hat schon ausnehmend hohes Niveau.
Die Hauptrolle, das Fleisch und Blut von Camera betreibt das Keyboard. Hier wird der Handlungsrahmen vorgegeben, die Stimmung gelenkt, der Ton bestimmt. Der Star ist das Schlagzeug. Der Mann ist sensationell und trägt zudem einen Grossteil dazu bei, dass trotz aller Längen niemals Langeweile aufkommt, selbst die Pausen füllt er mit gezieltem Nichts. Die Gitarristen sind wichtig, sind in den aktuellen Camera aber eher vorallem anreichernd, nicht Grundlage.
Dazu hatten sie einen Damo mitgebracht, der, ich weiss nicht wie, in diesem dunklen Licht von seinen DinA4-Blättern abproklamierte, allerdings nur sehr akzentuiert eingesetzt, also bei zwei Songs, wenn ich nichts verschlafen habe.
Am Ende ging die Veranstaltung dann für einen Dienstag doch ziemlich lang. Das bunte Publikum wurde unruhig oder verzog sich. Nur die Hälfte hielt es bis zum Ende aus.
Daran hatte auch die langweilige Vorband Mugstar aus Liverpool ihren Anteil. Drone-Rock ohne vergleichbare Qualität, viel zu lange gespielt, viel zu lange umgebaut. Es wirkte als wären sie längst auf längerer Tour und wollten sich für diesen Abend nicht in ein kürzeres, aber dem Publikum zugänglicheres Vorbandprogramm ergeben.
Und auch die Musik zwischen den Songs war sehr unruhig und anstrengend. Das war alles gut gemeint, trug aber nicht dazu bei, das aufdringliche Chaos in dem ungemütlichen Konzertraum im Urban Spree zu verringern.
Für Camera hat sich das Kommen aber gelohnt. Ich war durchaus begeistert.
(Ralf, 17.4.16)
Fr. 25.03.16 Hysterese, Catholic Guilt, Bad Future - Berlin, Kastanienkeller (ca. 120 Zuschauer, soldout)
Zuerst Bad Future aus Seattle. Vermutlich die besten Musiker des Abends, starteten sie auch sehr kraftvoll und direkt, konnten die Energie aber leider nicht aufrecht erhalten, weil sie sich in vertrackten Arrangements verloren und die etwas künstlich aggressive Stimme kaum einen zweiten Ton kennt. So variantenreich sie sind, im Fortgang des Sets nutzt sich das ab. Ich fühle jugendliche Vergangenheit im Metal.
Catholic Guilt aus Graz danach etwas direkter, punkiger, wütender, wenn auch stimmlich leider nicht so stark, gefielen sie mir eigentlich ziemlich gut. Das war endlich mal richtig Punk!
Dasselbe gilt natürlich auch für Hysterese, die dann als einzige Band des Abends auch kompositorisch hohe Qualität bewiesen. Das ist richtig eigenwillig aber eingängiger Riff-Punk mit clever auf den Punkt geschachtelten Male-Female-Vocals, immer am Limit, mit der richtigen Mischung aus Angepisstheit und Melancholie. Auch dem souveränen Auftreten merkt man natürlich die deutlich grössere Erfahrung gegenüber den Vorgängern an.
Trotzdem: Von Seiten durchgehender Integrität, Qualität und Durchschlagkraft waren allesamt besser als die Garden Gang am Wochenende davor. Und hier standen Menschen auf der Bühne, die teilweise halb so alt waren.
(Ralf, 26.3.16)
Sa. 19.03.16 Garden Gang - Berlin, Wild At Heart (ca. 50 Zuschauer)
Hatte ich vor Jahren schon mal als Backing Band von TV Smith auf Deutschlandtour gesehen. Irgendwie leben die ihr Ding auch mit dem kindlichen Charm der Liebhaberei, zumindest der Sänger und die Sängerin. Sie sind nicht besonders gut aber sie meinen es gut und das möchte ich ihnen unbedingt anrechnen.
(Ralf, 26.3.16)
Sa. 12.03.16 The Fall - Berlin, White Trash Fast Food (ca. 500 Zuschauer)
Kurzfristiges Überraschungskonzert der Unverwüstbaren um Mark E. Smith. Im Gegensatz zum Auftritt in Köln vor zwei Jahren, war die Spannung in der Band deutlich weniger greifbar, fast schon gelöst. Smith war in recht guter Stimmung und richtete wenig Unfug mit dem Mobiliar seiner Angestellten an. Er kickte sogar nicht ein einziges Mal das Bassdrum-Mikro raus.
Dennoch war es wieder eine Augenweide und viel Spass ihm zuzusehen. Die Songs der neuen Mini-LP, die hier vorgestellt wurden, scheinen mir allerdings, ähnlich wie zuletzt bei The Remainderer eher Mittelmass im Fall-Kosmos zu sein.
In Köln war ich zutiefst erschrocken und fasziniert von der psychischen Gewalt mit der Smith regiert, heuer war er geradezu charmant, was in Summe mit der etwas öden Setlist, einen guten aber bei weitem nicht so sensationellen Auftritt wie in Köln ergab. Möglicherweise sind es dann auch die überzogenen Erwartungen oder ein Wochenende, das schon viel Qualität zu bieten hatte und da müssen dann vielleicht auch mal sogar The Fall Höchstleitung bieten, um für durchgehende Begeisterung zu sorgen.
Liest man das Fall-Insider-Forum, tägliche Lektüre für jeden der Verfallenen, waren alle ja super begeistert, Smith wurde sogar ein crowd-pleasing Modus zugeschrieben, den man vorher ja noch nie so gesehen hätte, hahaha. Ich denke, alles was Smith auf der Bühne tut, macht er auch, um seinem Publikum was zu bieten. Wenn er also mit seinen Mikros hantiert, sie hinwirft, immer wieder ein anderes nimmt (für den Soundtechniker ein Horror, haha), die Mikros vor die Amps hält, um mit den Feedbacks zu kokettieren, wenn er dem Gitarristen den Amp abdreht und seiner Ehefrau in die Tasten greift, um ein ganz spontanes Solo hinzulegen, während er gelangweilt in die entgegengesetzte Richtung sieht ... wenn er einfach alles tut, um The Fall an einem reibungslosen Auftritt zu hindern, ist das dann crowd-pleasing? Also aus meiner Sicht wäre es das, aber ich schätze, dass das anders gemeint war und genau so fand ich den Auftritt eben auch: Crowd-pleasing im wahrsten Sinne, gääääähn.
Ich bliebe dabei: The Fall können besser. Smith sagt selbst, wenn die Band zu gut wird, muss er sie herausfordern, um sie zu neuen Höhen anzutreiben und dazu benutzt er seine eigenen Mittel und dann kann es auch mal im Chaos enden, doch das IST die Herausforderung. Und unter diesen Gesichtspunkten war der Auftritt im White Trash nur mittel.
Dennoch: The Fall haben das Wort Underground schlichtweg definiert und leben das seit mittlerweile 40 Jahren konsequent vor. Für diese Band werde ich noch auf dem Sterbebett glühende Fürreden schwingen.
(Ralf, 13.3.16)
Fr. 11.03.16

The Satelliters, The No-Counts - Berlin, Wild At Heart (ca. 60 Zuschauer)
Angenehme Atmosphäre im Wild At Heart. Nicht zu voll aber voll genug für ausgelassene Stimmung. Für die sorgten zunächst die Berliner No-Counts, stilistisch, wie die Satelliters, im 60s-Garage-Punk angesiedelt. Stimmt soweit alles bei denen, sind sympathisch, haben die richtigen Roots, die Einstellung, der Stil, die Songs sind ok. Mir sind sie leider etwas zu brav und wenn du dann hinterher die Satelliters siehst, weisst du auch, warum die eine Band alles auseinander reisst und die erste nicht.
Die Satelliters aus Frankfurt sind super eingespielt, sind ausnehmend exzellente Musiker und haben ein perfekt abgestimmtes Set mit klasse Songs, abwechslungsreicher Dynamik, perfekte, auch tanzbare Rhythmik. Da schwankt keiner, alle Breaks kommen auf den Punkt, Drive, Schwung, alles stimmt und dazu sind sie auch absolut ansehnliche coole Typen, die man schon vom Zukucken ins Herz schliesst. Fast schon so kleine Stars. Wirklich eine sehr geile Band, die ich schon im November in Köln gesehen, aber leider keine Zeit hatte, sie genügend auszuloben. Köln war sogar noch besser. Der Laden war voll und die Stimmung total am Bersten. Auch der Sound war besser, insbesondere die Gitarre kam dort geiler rüber.
War'n sehr toller Abend.
(Ralf, 12.3.16)

Do. 10.03.16 Lydia Lunch Retrovirus - Köln, Sonic Ballroom (120 Zuschauer, gepackt)
Lydia zurück zu ihren Wurzeln, mit im Gepäck: Ein Haufen irrer Bombenleger, die in Bands mit illustren Namen wie Child Abuse spielen oder bei den Flying Luttenbachers mitwirkten, die sich 2007 auflösten und verkündeten sich erst dann wieder zu vereinigen, wenn die menschliche Rasse reif für Armageddon sei.
Hätte ich im Voraus gewusst, dass Lydia mit Retrovirus auf ihren Backkatalog bis zu Teenage Jesus zurückblickt, hätte ich Zweifel gehegt, dass das was wird, aber diese schrägen Vögel habens echt verdammt gut hingekriegt. Ich hab ja schon mal gesagt, dass Lydia heutezutage nicht viel mehr als krächzen kann, aber sie versteht es, ihre Legende weiter zu leben, die Qualität ihres Irrsinns bleibt hoch und dadurch schafft sie es, die besten Musiker um sich zu scheren (Bob Bert an den Drums nicht zu vergessen).
Und die haben diesen Mist gelebt, sage ich euch. Der Bassist musste sein Maul aufsperren um nicht an seinen Konvulsionen zu ersticken. Teilweise schlug er derart auf die Saiten, dass seine Pranke wie ein Faustschlag Richtung Publikum schnellte. Der Gitarrist richtete mit seinen permanenten Dissonanzen derartigen Schaden an, dass ich plötzlich dachte, er steht jetzt hinter mir und sägt mir in den Schädel. Ich hab das erst einmal gehabt, es war in den 80ern bei Pussy Galore (und wer zur Hölle prügelte auch damals auf einen Metallblock als Snareersatz?), deren Sound mit ihren vier Gitarren so laut und schrill war, dass der Schmerz sich anfühlte als hätte ich flüssiges Eisen im Mund. Hier war es genauso, nicht der Sound, aber die degenerative Intensität, diese magenumdrehende Depression, die sich einstellt, wenn man über eine Stunde lang nur tranceartiges Urwaldgetrommle, den Körper vor die Wand schmetternde Bassfrequenzen und eine unaufhörlich schrill bohrende dissonante Gitarre hört, die wie alles klingen will aber nicht wie eine Gitarre.
Es war der Wahnsinn, es war phantastisch. Der Retrovirus hatte mich voll erwischt. Da meine Schuhe dauernd runterrutschten, wollte ich sie ausziehen und irgendwohin werfen, egal wohin, ich wollte 100 Schuhe ausziehen und sie irgendwogegen werfen, ich wollte mich auf den Boden werfen und in Metallstangen beissen, ich wollte glühende Nickelgroschen auf meine Haut gedrückt bekommen, um zu sehen, wie die schwarze Brühe dran runterläuft. Ich wollte flüssiges Blei in die Knochen gegossen bekommen. Ich wollte zerbombte Städte wie einen Strom sich geisselnder Pestpilger durch meinen Geist gezogen haben.
Und ich glaube alle anderen wollten das an diesem Abend auch. Wie sonst könnte man sich diese Gebanntheit erklären, die bei dem Break und einer geflüsterten Passage im finalen Black Juju zu einer Totenstille führte. Davor hatte Lydia Rowland Howard noch als ihren Lieblingsgeist geehrt.
Ein grandioser Abend an der Schwelle zu einem Wochenende, das noch mehr versprach.
(Ralf, 12.3.16)
Sa. 05.03.16 Jesse Malin - Berlin, Auster-Club (100 Zuschauer)
Jesse Malin, alter Held der New York Punkszene und Frontmann der zwischen 91 und 98 aktiven Band DGeneration (die allerdings in den letzten Jahren wieder mit einzelnen Shows und aktuell sogar mit richtiger Reunion und einem neuen album von sich Reden machten), auf der Promotion Tour für sein viertes Soloalbum. Ich hab seine Solosachen nie gehört. Da war von Singer-Songwriter die Rede und ich stellte ihn mir mit Akkustikgitarre alleine auf der Bühne vor, bis ich zuletzt fast schon überraschend von diesem Auftritt erfuhr und der Artikel Vergleiche zu Springsteen zog, schluck.
Nichtsdestotrotz, Jesse Malin gebührt die Ehre erwiesen. Er hatte ne komplette Band dabei, sogar mit zwei Bläsern und nen komischen Ami-Rock-Cowboy als Gitarrist. So'n Typ mit Weste, gut gestrählten glatten halslangen Haaren, schwarzem Cowboyhut und beschissenem Gitarrensound (wenigstens keine Solos). Der Schlagzeuger hatte ein Chinese Rocks Tshirt an, aber der Beat war durchgängiges Midtempo-Rock-Gestampfe.
Man erkannte klassische DGeneration-Strukturen in den Songs und Malins Stimme natürlich, doch die Verweiflung und Aggression ist gewichen. Hier sind alle zufrieden und machen Mitwipprock, viel Tralala und Schalala, nichts aber auch gar nichts abseits von 0-8-15 und das gefiel dem vorwiegend amerikansichen Publikum im Auster-Club, eine Mischung aus alt- und mittelalterlicher Biederkeit. Ein einziges zufriedenes Mitwippen und wir hatten leider nicht genügend Geld dabei um uns das schönzusaufen. Es war zum Kotzen.
Aber Jesse Malin wird ein Held bleiben, selbst wenn er noch hundert Jahre langweiligen Rock spielt.
(Ralf, 6.3.16)
Fr. 15.01.16 The Mobbs, The Jet Sons - Berlin, Bassyclub (70 Zuschauer)
Verstehe ich nicht, warum man solche Bands aus dem Ausland hierher holen muss. Damit kriegen wir keine Kids auf die Konzerte zurück, Leute. Es gibt soviele gute Bands, aber die Mobbs und die Jet Sons ... das war mal ein klassischer Fehlstart ins Jahr. Die pflegen liebevoll ihr Hobby, die haben auch immer wieder gute Ansätze und die tun keinem weh ... aber das ist ja genau das Problem: Die tun nicht weh!
Eins der ersten Konzerte im Jahr: Diskretem Etikettenschwindel auf den Leim gegangen. Das Etikett: Garage Punk for Boys. Die Wahrheit: Kaffeekränzchen-Musik fürs Kaffeekränzchen mit Ommas Sonntags-Kaffeeservice. Das ist weder Garage noch Punk und das ist auch nicht für Boys, nicht mal für kleine Boys. Das spielen die beim Kränzchen ihren Omas vor und den Omas gefällt es. Und nicht nur, weil sie die Omas sind, sondern weil es ihnen tatsächlich gefällt.
Das Jahr ist früh, mein Urteil ist milde, aber der Abend war fürn Arsch! Kuckt euch mal das Foto an. Das könnte auch ne Kölschrockband sein.
(Ralf, 16.1.16)

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Teufel